des Pfarrgemeinderates von St. Konrad

Sachausschuss Frieden-Entwicklung-Mission

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Neue Aktion:       In 9 Monaten-Babys ohne HIV 

Mit ihrem Motto „In 9 Monaten - Babys ohne HIV“ formulieren die kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppierungen des „Aktionsbündnisses gegen AIDS“ - zu dem auch der Sachausschuss Frieden, Entwicklung, Mission des Ortsausschusses der Pfarre St Konrad gehört - eine klare Forderung:  

bis 2015 die Übertragung von HIV/AIDS
von der Mutter auf das Kind stoppen!
 

Aktuell sind etwa 33 Millionen Menschen weltweit HIV infiziert. Jeden Tag werden in “Dritte-Welt-Ländern“ gut 2000 Kinder von HIV positiven Müttern entbunden- in Deutschland sind dies lediglich 20 Kinder jährlich. 

Das Risiko der Infektion eines Kindes durch eine HIV positive Mutter während der Schwangerschaft ist kurz vor und während der Geburt am höchsten und liegt insgesamt bei etwa 25-30%. Die Gefahr einer Infektion nach der Geburt beim Stillen über die Muttermilch erhöht dieses Risiko um 10-15%.

Das Risiko einer Ansteckung des Kindes kann durch folgende Maßnahmen auf 1-2% gesenkt werden

  1. Tägliche Behandlung der Schwangeren durch sogenannte „antiretrovirale Therapie“
  2. Entbindung durch Kaiserschnitt (um die Infektion im Geburtskanal zu verhindern)
  3. Verzicht auf das Stillen

In „Dritte-Welt-Ländern“, oder, sprechen wir besser von den „Ländern des Südens“, sind die Entbindung durch Kaiserschnitt wegen häufig unzureichender Infrastruktur und der Verzicht auf das Stillen wegen oft schwieriger hygienischer Verhältnisse problematisch. Zunächst machbar wäre die tägliche Behandlung mit Medikamenten, sei dies idealerweise während der gesamten  Schwangerschaft oder wenigstens ab der 36. Schwangerschaftswoche einschließlich der einmaligen Therapie des Neugeborenen innerhalb von 72 Std nach der Geburt. 

Mit dieser Maßnahme könnten etwa 300000 von 400000 jährlich an HIV  infizierten Neugeborenen ohne HIV geboren werden 

Im Jahr 2001 verpflichtete sich die internationale Gemeinschaft auf einer Sondersitzung der UN bis zum Jahr 2010 mindestens 80% der schwangeren HIV positiven Frauen einen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen.

Heute, im Jahr 2010 fehlt noch immer 2/3 der betroffenen Frauen dieser Zugang!

Wo liegt das Hauptproblem?

1.             Die sogenannten „Patentschutzregelungen“ der Pharmafirmen, die die „Aidsmedikamente“ entwickelt haben, verbieten anderen Pharmafirmen dieselben Medikamente für einen wesentlich geringeren Preis anzubieten.

2.             2010 müssten 2 Milliarden Euro durch die UN Geberstaaten zusammengebracht werden

Deutschland und die beteiligten Pharmafirmen müssen ihren Anteil leisten!
Geben Sie dieser Forderung Nachdruck mit ihrer Unterschrift
online --> www.in9Monaten.de
                                                                                                              
Dr C. Stenmanns


!Unser Engagement lohnt sich! 

Dank des gesellschaftlichen Druckes im vergangenen Jahrzehnt durch Kampagnen auf die „AIDS Medikamente“ produzierenden Pharmafirmen sind die Medikamente der ersten Therapielinie vom Patentrecht weitgehend unabhängig geworden:

Kostete die Therapie eines HIV infizerten im Jahre 2000 noch 10000 US $ jährlich
produzieren Generikafirmen - meist in Indien- heute die Medikamente für 80 US $ jährlich
 

!Unser Engagement ist weiter nötig! 

Heute erhalten 4 Millionen Menschen weltweit eine ausreichende Therapie. 10 weitere Millionen Menschen benötigen sie dringend! Die entsetzliche Bilanz: 2 Millionen Menschen sterben pro Jahr unnötig an AIDS- alle 10 Sekunden ein Mensch zuviel!

Warum?
1. Es fehlt an finanziellen Ressourcen 
2. Die  Abhängigkeit vom Patentrecht besteht weiter: Wo die „alten Medikamente“ der 1. Therapielinie Unverträglichkeiten verursachen oder  nicht mehr wirken (sog. „Resistenzen“ haben sich entwickelt) werden die „neuen Medikamente“ der 2. Therapielinie nötig. Diese Kosten - wegen Patentschutz- 10 x mehr!

 

 


Rückblick Aktionsbündnis gegen AIDS 

Der Sachausschuss FEM der Gemeinde ist seit 3 Jahren Mitglied im Aktionsbündnis gegen AIDS. Das letzte Jahr war überwiegend von Advocacy- und Lobbyarbeit national mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ=Entwicklungshilfe-ministerium) und international auf EU-Ebene sowie auf UNO-Ebene sowie den Internationalen Pharmakonzernen geprägt.  Hierbei ging es um die Ausweitung des Zugangs zu lebensrettender HIV-Behandlung, Prävention, Pflege und Unterstützung der HIV-Infizierten. Immerhin haben weltweit noch 5 Millionen Menschen keinen Zugang dazu.
Auf der anderen Seite hat die Arbeit des Aktionsbündnisses und anderen internationaler Nichtregierungs-Organisationen (NGO) doch auch bescheidene Erfolge zu vermelden. So ist festzustellen, dass sich in den Ländern mit den Höchsten Infektionszahlen Afrikas (der stärkste betroffene Kontinent) die Infektionsrate reduziert hat und in einigen Ländern gar zum Stillstand gekommen ist. Ebenso konnte die HIV Übertragung auf Neugeborene gesenkt werden. Gefördert wird eine solche Entwicklung beispielsweise durch das grössere finanzielle Engagement der Bundesregierung (Globaler Fonds, Erhöhung der ODA-Quote=Öffentliche Entwicklungshilfe am BNE=Bruttonationaleinkommen), die zwar nicht den Forderungen des Aktionsbündnis entsprechen , aber in die richtige Richtung weisen.
Bewegung gibt es auch auf Seiten der Pharmaindustrie, die an den Kampagnen des Aktionsbündnisses wenig Gefallen findet, aber nun den Kontakt zum Bündnis sucht. 

Da das stetige Bemühen für eine gerechte Gesundheitsversorgung weitergehen muss, wurde auf der letztjährigen Vollversammlung des Aktionsbündnisses mit grosser Mehrheit eine Fortführung des Bündnisses beschlossen und die ursprüngliche zeitliche Begrenzung des Bündnisses aufgehoben. 

Ausblick
Auch wenn die Versprechung der G-8-Länder und der UNO des  Universellen Zugangs bis 2010 und das Erreichen des Milleniums Entwicklungszieles 6 (Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria) bis 2015 wahrscheinlich nicht erreicht werden können, bilden diese Ziele die Grundlage die Regierungen beim Wort zunehmen und die HIV-Epidemie national und international weiter einzudämmen sowie den Betroffenen ein würdiges und längeres Leben zu ermöglichen. Dabei sollten die Regierungen endlich ihre zugesagten Gelder auch zur Verfügung stellen. So hat die Bundesregierung 0,7 % des BNE (Bruttonationaleinkommen) laut EU-Rats-Beschluss für die öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) zur Verfügung zu stellen. Sie wird es wahrscheinlich bis 2010 auf eine Erhöhung auf 0,51% schaffen. 

Die aktuelle Kampagne Leben vor Pharmaprofit! - Patente könne tödlich sein richtet sich gezielt an 3 Pharmakonzerne (Bristol-Myers-Squibb, Abbott und Gilead) Diese haben schon reagiert und Gespräche mit dem Aktionsbündnis aufgenommen. Am Welt-AIDS Tag (01.12.09) werden mehr als 25000 Unterschriften an Vertreter dieser Pharmakonzerne am Sitz der forschenden Pharma-Unternehmen in Berlin überreicht.
Die nächste Mitmachaktion 2010 soll die längste Wäscheleine der Welt werden, in dem je ein Kleidungsstück für eine Person steht, die keinen Zugang zur AIDS-Therapie hat (5 Millionen). Vor je einem Kleidungsstück soll sich eine Person fotografieren lassen, zu Hause aufhängen und in´s Internet hochladen. Diese Wäscheleine hoffentlich länger als 1070 Meter soll dann am Welt AIDS Tag im Dezember 2010 an die Bundeskanzlerin übergeben werden. 

Randbemerkung
Der neue designierte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) forderte vor Monaten noch die Abschaffung des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit), seines zukünftigen Ministeriums.  Was soll die Zukunft bringen?